Dies, Das

Berliner Berichterstattung mit Ruhrpott-Charme

Pott and “the city” #29 – Faszination Ex

Wie letzte Woche schon angekündigt folgt nun mal wieder eine Episode Gefühlsduselei von meiner Seite.

 

Wie sang Schmalzkünstler Pohlmann mal so schön? „Was man nicht bekommt, das will man haben… Was man bekommt, das will man nicht haben“ – und ihr kennt das bestimmt auch. Deswegen geht es ja in Beziehungen immer so zu, wie beim Sommerwetter in diesem Jahr: ein ständiges Auf und Ab. Vom heißen Sonnentag ins Regenchaos. Vom Schwitzen bei Hitze zum Anstellen der Heizung im Juli. Letzte Woche Donnerstag zum Beispiel lag ich hier im Park und bin erst abends mit dickem Sonnenbrand wieder nach Hause – wo dann eine Stunde später Crushed Ice vom Himmel kam und die Golfballgroßen Hagelkörner fast meine Fenster eingeschlagen hätten. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Moment etwas sentimental unterwegs bin, vielleicht bin ich aber auch einfach so der Liebe-Mensch, weswegen mich das alles ans Relationship Chaos hier erinnert. Tatsächlich ist es so, dass man doch oft erst erkennt, was man an jemandem hatte oder auch nicht hatte, wenn alles vorbei ist. Ex fasziniert. Und dabei ist es egal, ob es der Ex-Partner, die Ex-Affaire oder die Ex-Freundin ist. Man kann ja sogar One Night Stands hinterher trauern, wenn einem gerade danach ist. Dann trifft man eine herzbrecherische Kurzzeitliebe von vor einem Jahr wieder – und sitzt auf einmal zusammen im Café, so, als ob nichts gewesen wäre. Da geht man feiern und die verbotene Affaire, die man auf keinen Fall weiterführen wollte, strahlt mehr aus als je zuvor während man sich erneut in langen Küssen verliert. Es sollte eigentlich nur einmal sein – aber dann steht dieser One Night Stand wieder vor einem und man scheißt auf die Eins im Wort, weil alleine schlafen ja auch irgendwie nicht so doll ist. Eigentlich hatte man das Hoch doch schon durch bei diesen Leuten, manchmal sogar noch das krasse Tief – wieso zur Hölle tut man sich das denn dann noch mal an? Weil man unersättlich ist vielleicht. Hochs, die will man immer mitnehmen. Tiefs sieht man dann nicht mal mehr. Dass man nach dem letzten Aufeinandertreffen erstmal verletzt ins Krankenhaus musste, dass man nach der letzten SMS heulend und Schokolade fressend zu Hause verschanzt hat, dass man jegliche Prinzipien und allen Stolz bei so manchen fertigen Aktionen abgelegt hat nur um sich danach blöde vorzukommen. Manchmal ist das doch so. Vielleicht kommt dann auch ein kurzes Hoch – Ex wird zur Explosion. Aber so explosiv dieses Gemisch dann auch ist, muss man sich irgendwann eingestehen, dass man dabei doch lieber an Exit denken sollte als an die Wiederbelebung einer längst vergangen Geschichte. Wenn man die Leute wieder sieht, fragt man sich doch auch meist eher „Was habe ich je an dem gefunden?“ als „Oh, ich vermiss den so.“ Push play, push forward. Rewind ist doch etwas für schwächliche Nostalgiker, die sich nicht mit dem Hier und Jetzt abfinden können. Die nicht mit der Realität klar kommen und sich lieber in eine alte Illusion flüchten. Nachdem das Wetter uns diesen Sommer schon so krass verarscht hat, sollte man seinem Herz nicht die gleiche Scheiße antun. Als ich dem Hagel letzter Woche aus meinem Zimmer heraus den Mittelfinger entgegen gestreckt habe, ging vielleicht die unrühmliche Botschaft an Petrus raus, das tätowierte Play-Zeichen hat sich dabei allerdings in meine Augen gebrannt. Und die sentimentale Liebesfanatikern in mir, dachte sich nur so: genau. Faszination Ex wird zur Desillusion. Und nach so einem 15-minütigen Schauer hat man die Exen und die damit verbundenen Überlegungen dann genauso satt wie Petrus, Eis vom Himmel zu schmeißen.

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Mash
// Mi. 08.08.2012
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