Dies, Das

Berliner Berichterstattung mit Ruhrpott-Charme

Pott and the „City“ #30 – Dockville aka Diebville

Eigentlich wollte ich euch von einem crazy Festivalwochenende außerhalb Berlins berichten. Eigentlich wollte ich zugeben müssen, dass die Hauptstadt nicht das Non-Plus-Ultra ist, sondern man sich auch mal in eine andere deutsche Großstadt verirren kann. Eigentlich wollte ich Spaß und Freude vermitteln. Eigentlich. Jetzt gibt es aber eben einen ehrlichen Text und unzusammenhängende Fotos vom Dockville. Denn tatsächlich wurde mir in Bonzenstadt Hamburg meine Tasche aus dem Zelt geklaut – und das diesjährige Dockville zum Diebville. Der Abschluss einer Horrostory, die sich bereits freitags schon mit der „Wir behandeln Presse einfach mal wie Scheiße“ Attitüde der Organisatoren ankündigte.
Natürlich hat man auch persönliche Gründe auf ein Festival zu fahren, jeder mag doch irgendeine Band vom Line Up auch privat gerne – aber ich bin nun mal zum Arbeiten da. Damit ich was Lustiges für euch schreiben und Themen für meine anderen Creative Jobs zusammenkriegen kann. Dass ich da nicht rumlaufe wie der letzte Mensch ist auch klar. Mir muss man nicht den Arsch pudern, ich brauche keinen Butler Service – aber so kalte Getränke bei Hitze, ein Pressecampingplatz oder wenigstens genug abschließbare Fächer für Journalisten und Blogger wären mal einfach nicht schlecht gewesen. Ich wollte mich nicht anstellen, alles Love&Peace und so. Ich wollte Festivalfeeling – also habe ich dann eben auf den normalen Gelände neben minderjährigen Dockvillebesuchern gecampt.
Leider fand jemand dort meine „Nicht wie der letzte Mensch Aussehen“-Klamotten dann auch gleich so schön, dass er alle hat mitgehen lassen. Dass man keine Wertsachen im Zelt lassen soll, das ist klar. Aber, dass ich all meine Anziehsachen nun im Zwiebellook bei Sommerwetter übereinander tragen muss damit aus nem geschlossenem Zelt nichts wegkommt, war mir persönlich neu. Den Organisatoren dort auch – denn irgendeine direkte Hilfe nachdem man beklaut worden ist, bekommt man da selbst als Pressevertreter nicht. Sprüche wie „Wenn wir etwas hier finden würden, dann gibt es keine Regeln. Wir schmeißen das dann weg oder so“, vom Security Personal, was tagsüber die Zäunen bewacht lassen da einen nur mit dem Kopf schütteln. Wohlgemerkt werden diese Abschnitte nur tagsüber bewacht, damit man bloß nicht die 40 Euro zahlenden Gast pro Tag verpasst, wenn mal jemand über den Stacheldraht klettert – was nachts mit den Sachen der Besucher passiert, interessiert dort keinen.  Nicht gerade beruhigend, dass ich auf dem Festivalgelände noch sehr viele getroffen habe, denen es genauso ging. Es gibt charmante Verplantheit. Kleine Festivals, die noch üben müssen etc. Aber bei so einem großen Ding ist da nichts mehr charmant dran. Das ist einfach unprofessionell. Umso mehr freute ich mich über den Mailsupport, der dann zum Glück wieder zurück zu Haus anfing.
Hier meine sonstigen Fazits vom für mich teuersten Festival meines Lebens:
- Future Islands live einfach der absolute Hammer
- Nicht so doll wenn persönlicher Liebling Dillon auf einmal herbe berühmt ist und der Platz vor der kleinen Bühne keine Luft zum Atmen mehr lässt
- Ich brauche dringend ein aufblasbares Gummi-Unicorn
- Die Songs von Patrice aus 2008 gibt es tatsächlich noch – aus Ghettoblastern der 24/7 Teenie-Campnachbarn
- Letztes Jahr Mudville im Schlamm war zwar ekelhaft – aber irgendwie geiler als Diebville im Staub
- Sonne in Hamburg ist stärker als in Berlin: never forget Sonnencreme!
- Irgendwie vermisse ich Flunkyball und möchte einmal noch mal jung sein
- Es muss echt mal was neues kooles erfunden werden, was Dixie Klos ersetzt
- Mit den Bloggerkollegen von Shambo.de kann man die lustigsten Autobahnfahrtgespräche führen
- Ich habe die besten Freunde der Welt, die mich mit Wein und Sushi nach einem anstrengendem Festivalwochenende empfangen und trösten
Einen kleinen Lichtblick gibt es jedoch: es wurden wohl doch ein paar volle Taschen gefunden.
Zum Glück habe ich nun regen Emailkontakt mit den netten Presseleuten, die sich gerade bemühen, mein Zeug wieder zu finden.
Vielleicht wollte doch keiner an meinen Schlübbis schnüffeln und hat mein Lieblings-Hab und Gut doch in den Busch geschmissen. Leute, drückt mir die Daumen!
In zwei Wochen geht es noch mal los, gucken, ob es auch anders geht. „Plötzlich am Bodden“ heißt es auf Usedom – und das zum ersten Mal. Danach kommt hoffentlich ein schöner, lebensbejahender Post von meiner Seite. So wie es eben sein sollte. Nach einem Festival.
Wie sieht‘s denn bei euch aus? Gibt es da ein Lieblings- oder sogar Hassfestival, wo wart ihr dieses oder die letzten Jahre so?
Ach ja: Und wenn jemand meinen wundervollen weiß/türkisfarbenen TRUE-Pulli von Ethel Vaughn auf der Straße sieht – haltet den Dieb fest!

Schlagworte: , , ,

Mash
// Mi. 15.08.2012
Share

Watt?!