Dies, Das

Berliner Berichterstattung mit Ruhrpott-Charme

Pott and “the city” #05 Berlin, Sibirien, Sibirien, Berlin – Siberlin

Ich hatte so gehofft. Nach zwei Mörderwintern in der Hauptstadt lag dieses Jahr endlich mal kein Schnee bis zu den Knien und ich musste nicht Wollsocken über meine Schuhe ziehen, um unfallfrei auf dem zugefrorenen Gehweg von A nach B zu kommen. Nachdem ich bei meiner alljährlichen Weihnachtsfahrt nach Dortmund 2010 fast gestorben wäre – danke noch mal an meine reizende Mitfahrgelegenheit, die trotz Blitzeis als einzige auf der linken Autobahnspur fuhr und dabei SMS schrieb, war ich vor ein paar Wochen froh, nur grün zu sehen als ich mich gen Heimat machte. Es gibt sie ja. Die Menschen, die sich jedes Jahr drauf freuen. Die Menschen, die Schlitten und Schneeanzug sauber im Keller hängen haben. Die Menschen, die beim ersten Schnee lachend rausrennen und sich in der weißen Pracht wälzen. Diese Winterliebhaber. Ich hasse Kälte. Ich hasse Nässe. Ich hasse Schnee. Allgemein kann man wohl sagen: ich
hasse den Winter und alles was damit zu tun hat. Ich bin überzeugter Winterhasser.

Und das schon mein Leben lang. Umso mehr war es eine Genugtuung für mich als auch diese Winterliebhaber-Unterart von Menschen vor ein paar Tagen die harte Realität der Minusgrade um die selbst unter drei Mützen verpackt kalten Ohren geknallt bekamen – und keinerlei Romantik sondern nur noch ihren Atem vor Augen sahen. Anfang Januar hatten wir 12 Grad. Ja, zu warm für Winter (wenn auch immer noch zu kalt für mich), aber -18 Grad? Muss das sein? Da wird jedes Wintermärchen zur Horrorgeschichte. Die Seifenblasenpistole, die ich im Club so liebe, wollte ich heute morgen am liebsten nur noch gegen eine echte eintauschen als ich das Haus verließ. Die Temperaturen sind gesunken – meine Laune dementsprechend auch. Normalerweise benutze ich kein Haarspray, doch war ich heute Morgen sehr stark am Überlegen, nicht einfach sehr viel davon zu versprühen, um mir mein eigenes kleines Ozonloch über der Bornholmerstraße zu machen. Scheiß auf schädliche Strahlung – ich brauche Wärme!

Ah, Wärme, Sommer – wie sehr ich mir das zurück wünsche. Was würde ich nicht alles geben, um nun in T-Shirt und Shorts durch die Gegend zu laufen. Ich bin zwar kein großer Verfechter von knapper Kleidung, aber so wie gerade alle durch die Straßen laufen muss es ja auch nicht sein. Nicht nur, dass man denkt, alle Menschen hätten auf Grund der rotgefrorenen Gesichter Fieber oder einen bösen Hautausschlag, so kann man mal wieder sehen, dass warme Kleidung einem jegliche Körperform nimmt. Wie das Ghostbuster-Michelin-Männchen wandele ich nun also in
hellem Daunenmantel durch die Gegend: schön verpackt und asexuell. Es fehlt nicht mehr viel und Berlin wird Siberlin heißen. Sibierien, ja, das ist es hier. Wenn ich nicht arbeiten gehen müsste, ich würde wohl den ganzen Tag nur im Bett liegen. Unter drei Decken und in mehrere Pullover gehüllt, so ist das nunmal im Altbau ohne funktionierender Heizung. Genießt eure Plusgrade im Pott, meine Lieben! Nächste Woche geht?s für den Valentinstag ab nach Paris: an Sacre Coeur Pärchen bespucken – also seid gespannt auf Berichterstattung francaise mit Ruhrpottcharme in another city.

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Mash
// Di. 07.02.2012
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